Feb
29
2008
Intuition bezeichnet man die Einfühlung in die dem objektiven Bewusstsein unsichtbaren Situationsumstände und das Erspüren übergeordneter Zusammenhänge (Yugen - Sehen, was unsichtbar ist). Von den Wissenschaften wurde diese Möglichkeit des Verstehens lange abgelehnt und bestritten. Heute, wo die objektive Erkenntnisfähigkeit in vielen Bereichen ihre Grenzen erreicht hat, gewinnt das intuitive Denken auch in den Wissenschaften immer mehr Raum, wird jedoch nach wie vor mit der Logik interpretiert und aufgrund dreier Thesen erklärt: 1. Resonanz oder „inneres Mitmachen“, 2. Absichtliche Nachahmung und 3. Schlussfolgerung diagnostischer Anzeichen.
Das intuitive Denken kann nur durch eine Übung, ähnlich der Wegübung, geschult werden. Es beruht auf der Erkenntnis über die Relativität aller Dinge, auf der auch Einsteins Relativitätstheorie aufbaut. Diese Erkenntnisse befinden sich jenseits der fixierbaren physikalischen Wirklichkeit und beziehen sich auf eine übergeordnete Realität, zu der die Logik keinen Zugang hat.
Den Wegkünsten nahe liegender sind die Beobachtungen der „Verstehenden Psychologie“. Sie beziehen die „Ideenschau“ Platons, das „Anschauen der inneren schaffenden Natur“ Goethes wie auch einen starken erlebnismäßigen Aspekt (®Furyu) mit ein, durch den ein Mensch jenseits der Logik zu verstehen vermag. Auf diese Weise kann man zu einem Wissen über Zusammenhänge kommen, ohne es mit dem Verstand zu betrachten.
Experimente dieser Art haben in den asiatischen Philosophien eine jahrtausendealte Tradition. Allerdings wurden im Gegensatz zum Westen nie Versuche unternommen, dafür einen logische Erklärung zu finden. Das, was der Westen mit dem Sachbegriff „Intuition“ beschreibt und mit verstehender Logik zu betrachten versucht, war dem Osten immer nur als Übung wichtig.
Feb
06
2008
Ich: lateinisch Ego, japanisch Ninga. In der asiatischen Weltanschauung versteht man unter dem Ich (sich seiner selbst bewusst werden) eine sich der universalen Realität entgegensetzende innere Verfassung. Diese Auffassung widerspricht der europäischen Vorstellung, in der sich der Mensch als Ich von der übrigen Welt getrennt fühlt und ihre Realität erkennt bzw. projiziert er in sie ein Verständnisschema, das er für Realität hält. Dadurch festigt sich in der inneren Haltung die Vorstellung eines Ich, das aus eigener Kraft zu leben versucht. Die Entwicklung Europas ist seit der Antike von dieser Idee bestimmt. Sie bewirkte einerseits die Entwicklung von Wissenschaft und Technik, doch andererseits auch den bedingungslosen Glauben an fiktive Realitäten, da die wahre Realität vom Standpunkt des subjektiven Ich nicht erkannt werden kann.
Der Europäer erkennt die Welt als etwas, worin er als abgeschlossenes Ganzes existiert (die Welt, in der wir leben), und begegnet ihr in einem Ich-Du-Verhältnis. Der Asiate hingegen versteht sich als Glied einer Kette, untrennbar mit dem Gesamten verbunden (die Welt, die wir sind). Das, was den Europäer als Individuum festigt, was er auszubauen und gegen die Welt zu behaupten sucht, gilt es für den Asiaten zu überwinden. Nicht der Behauptung des Ich gegen die Welt, sondern in der Vereinigung des Ich mit der Welt versteht er seine Bestimmung.
Dies außer acht lassend, entsteht durch das persönliche Ich die Illusion (Makyo) von der erkennbaren Wirklichkeit, die schließlich das Leben beherrscht und alles angreift, was diese Vorstellung bedroht. Feindschaft, Habgier und Entfremdung, die sich in den Fällen der überbetonten Ich-Herrschaft in seelischen Leiden anstauen, sind die unausweichlichen Folgen solcher Haltungen. Alle Übungsformen des Do´s bezwecken vor allem, diese inneren Haltungen zu durchbrechen, so dass der Übende im Laufe der Zeit die Herrschaft der Ich-Illusion über sein Denken überwinden kann.